T04-Boolesche-Algebra-und-Beweise
Boolesche Algebra & Beweise
Zusammenfassung
Die Boolesche Algebra
Exam-Relevanz
Aufgabe 3a (7 Punkte) — Beweis durch Widerspruch per Induktion.
Behauptung (falsch): Die Anzahl an Primimplikanten ändert sich nicht, wenn ein Eintrag zu der ON-Menge hinzugefügt wird.
Der Beweis soll in zwei Schritten geführt werden:
- Induktion: Unter der Annahme der Behauptung gilt: Alle ON-Mengen haben genau so viele Primimplikanten wie die leere ON-Menge und auch so viele wie die ON-Menge mit allen Belegungen (d.h.
). - Widerspruch: Die leere ON-Menge hat 0 Primimplikanten, die volle ON-Menge hat genau 1 Primimplikanten (nämlich die Konstante 1). Dies ist ein Widerspruch
Behauptung ist falsch.
Diese Aufgabe kombiniert vollständige Induktion mit Widerspruchsbeweis — zwei der drei in der Vorlesung eingeführten Beweistechniken.
Axiome der Booleschen Algebra
Es sei
Kommutativität
Assoziativität
Absorption
Distributivität
Achtung: In der Booleschen Algebra gilt Distributivität in beide Richtungen — anders als z.B. in
, wo nur distributiv ist, nicht aber .
Komplement
Konventionen
statt , statt , , oder für Negation bindet stärker als , bindet stärker als
Wichtige Sätze
Alle folgenden Regeln sind aus den Axiomen ableitbar und gelten somit in jeder Booleschen Algebra.
Existenz und Eindeutigkeit neutraler Elemente
Die Elemente
Doppeltes Komplement
Eindeutigkeit des Komplements
Idempotenz
Beweisskizze:
De-Morgan-Regel
Beweisskizze (für die erste Gleichung): Zeige
Konsenssatz (Consensus)
Beweisskizze: Der Term
Resolution (duale Form des Konsenssatzes)
Dualitätsprinzip
Gilt eine aus den Axiomen abgeleitete Gleichung
, so gilt auch die zu duale Gleichung, die aus durch gleichzeitiges Vertauschen von und sowie und hervorgeht.
Begründung (für den Fall ohne
Beispiel:
Beweistechniken in BA
1. Direkter Beweis (Sukzessive Folgerungen)
Aus
Beispiel: Zeige
2. Beweis durch Widerspruch (Indirekter Beweis)
Man nimmt das Gegenteil
Vorgehen:
- Annahme:
gilt. - Schrittweise Folgerungen aus
(und den Axiomen). - Widerspruch
(oder Widerspruch zu已知Tatsachen). ist falsch gilt.
Beispiel: Zeige: Es gibt kein
Annahme: Es gibt ein
3. Vollständige Induktion
Induktionsanfang (IA): Beweise Aussage für
Induktionsvoraussetzung (IV): Annahme: Aussage gilt für ein
Induktionsschritt (IS): Beweise Aussage für
Beispiel: Zeige
- IA (
): ✓ - IV:
- IS:
Typische Klausuraufgabe
A3a — Widerspruchsbeweis per Induktion (7 Punkte)
Gegeben: Die Behauptung "Die Anzahl an Primimplikanten ändert sich nicht, wenn ein Eintrag zu der ON-Menge hinzugefügt wird."
Zu zeigen: Diese Behauptung ist falsch, durch Widerspruchsbeweis per Induktion.
Vollständiger Lösungsansatz
Schritt 1: Induktion über die Größe der ON-Menge
Sei
- IA (
): gilt trivial (leere Menge hat so viele Primimplikanten wie sich selbst). - IV:
gelte für ein . - IS (
): Sei eine ON-Menge der Größe . Dann existiert ein , sodass eine ON-Menge der Größe ist. Nach IV hat genau so viele Primimplikanten wie die leere ON-Menge. Nach der angenommenen Behauptung ändert sich die Anzahl der Primimplikanten nicht beim Hinzufügen von . Also hat auch genau so viele Primimplikanten wie die leere ON-Menge. gilt.
Damit gilt
Schritt 2: Widerspruch
- Die leere ON-Menge (
) hat 0 Primimplikanten (die Funktion ist konstant 0, es gibt keinen Implikanten). - Die volle ON-Menge (
) hat genau 1 Primimplikanten, nämlich die Konstante 1 (das leere Monom), da jede Belegung die Funktion erfüllt. - Nach Schritt 1 müssten beide die gleiche Anzahl an Primimplikanten haben. Aber
.
Widerspruch!
Wichtige Hinweise
- Die Induktion geht über die Größe der ON-Menge, nicht über die Anzahl der Variablen.
- Der Schlüssel ist, dass die annahmebedingte Induktion die Behauptung auf alle ON-Mengen verallgemeinert — auch die Extremfälle (leer und voll), die offensichtlich unterschiedlich viele Primimplikanten haben.
- In der Klausur müssen IA, IV, IS und der Widerspruch explizit und nachvollziehbar aufgeschrieben werden.
Übungsblätter
| Blatt | Aufgabe | Thema | Punkte |
|---|---|---|---|
| Blatt01 | 2a | Dualitätsprinzip begründen | 1 |
| Blatt01 | 2b | BA auf |
3 |
| Blatt01 | 3 | O-Notation (Beweistechniken) | 6 |
| Blatt01 | 4a | Induktion: Binärbaum |
3 |
| Blatt05 | 4a | Widerspruchsbeweis: azyklischer Graph hat Wurzel | — |
| Blatt05 | 4c | Induktion: Eindeutigkeit der Belegung |
— |
| Blatt06 | 3a | Boolescher Ring |
13 |
| Blatt06 | 6a | Widerspruchsbeweis: Primimplikanten monotoner Funktionen enthalten nur positive Literale | 3 (Bonus) |
Quellen
- k320-Boolesche_Algebren — Axiome, De Morgan, Konsenssatz, Dualitätsprinzip
- k110-Mathematische_Grundlagen — Beweistechniken (direkt, Widerspruch, Induktion), BA-Grundlagen
- Exam — Aufgabe 3a: Widerspruchsbeweis per Induktion
- probeklausur — Aufgabe 3a: identische Aufgabe
- Blatt01 — Dualität, BA auf konkreter Menge
- Blatt06 — Boolescher Ring, Beweise nur mit Axiomen
Priorität
CRITICAL. A3a ist mit 7 Punkten der schwerste Einzelteil der Klausur und kombiniert zwei Beweistechniken. Die Axiome der BA sind die Grundlage für alle weiteren Themen (Schaltkreise, PLA, Minimalpolynome). Beherrsche:
- Die 5 Axiome auswendig (inkl. dualer Form).
- De Morgan, Konsenssatz, Dualitätsprinzip.
- Widerspruchsbeweis per Induktion (das A3a-Pattern).