k110-Mathematische_Grundlagen
Page 1
Kapitel 1 – Grundlagen
- Mathematische Grundlagen
- Beispielrechner ReTI
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Prof. Dr. Armin Biere
Institut für Informatik
Page 2
Mathematische Grundlagen
Verständigung auf gemeinsame Basis
Die meisten Begriffe sollten bekannt sein, bzw. werden in
anderen Vorlesungen noch formal und im Detail eingeführt.
Hier: Informale, möglichst intuitive Einführung
- Mengen, Funktionen, Relationen
- Boolsche Algebra
- Graphen, O-Notation
- Beweistechniken
Page 3
„Philosophie" der Mathematik
Gegeben gewisse Aussagen (Axiome), welche andere
Aussagen lassen sich aus ihnen herleiten?
Sind die Axiome wahr und existiert eine solche Herleitung
(Beweis), so sind die Folgerungen unumstößlich und
indiskutabel wahr!
Beschreiben die Axiome etwa ein physikalisches System,
so gelten die hergeleiteten Folgerungen für dieses System.
Die Frage, ob Axiome Realitätsbezug haben, ist aber
außerhalb der (reinen) Mathematik!
Page 4
Menge (Naive Definition)
Definition: Eine Menge ist eine Zusammenfassung von wohldefinierten, paarweise verschiedenen Objekten zu einem Ganzen. Die Objekte nennt man Elemente der Menge.
(Für eine formal vollständige Definition der Menge bräuchte man mehrere Vorlesungsstunden.)
Notation: Sind
Page 5
Beispiele für Mengen
- Leere Menge:
(es gibt kein ). - Menge der natürlichen Zahlen:
. - Menge der Booleschen Werte:
.
Achtung: Die Anordnung von Elementen der Menge und gegebenenfalls Wiederholungen sind belanglos:
Eine Menge kann Elemente enthalten, die selber Mengen sind, z.B.
Page 6
Spezifikation von Mengen
Man kann eine Menge durch Angabe von Zusatzbedingungen spezifizieren.
Beispiele:
- Menge der ganzen Zahlen:
. - Menge der rationalen Zahlen:
. - Menge der endlichen Zeichenketten:
.
Page 7
Untermengen, Potenzmenge, Mächtigkeit
Menge
Notation:
es wird auch
Achtung:
Potenzmenge von
Die Anzahl
Page 8
Operationen auf Mengen 1/2
Mengendifferenz:
Mengenschnitt:
Page 9
Operationen auf Mengen 2/2
Mengenvereinigung:
Kartesisches Produkt:
Notation:
Page 10
Mengen
Frage: Welche der folgenden Aussagen sind wahr?
a.
b.
c.
d.
e.
Page 11
Relationen
Definition: Eine Relation
Notation: Statt
Beispiele:
- Relation
zwischen und .
Page 12
Funktionen
Definition: Seien
Notation: Statt
Beispiele:
- Quadratfunktion
.
- Kardinalitätsfunktion
.
- Sinusfunktion
Page 13
Beispiele: Relationen, Funktionen
Jede Funktion ist auch eine Relation.
Es gibt aber Relationen, die keine Funktionen sind.
Beispiel:
... ist eine Relation, aber keine Funktion!
Page 14
Summen und Produkte (Notation)
Wir schreiben für
Beispiel:
Schreibweise mit beliebigen Bedingungen:
Page 15
Boolesche Algebra
Definition:
Konjunktion (UND-Verknüpfung)
| a | b | a ∧ b |
|---|---|---|
| 0 | 0 | 0 |
| 0 | 1 | 0 |
| 1 | 0 | 0 |
| 1 | 1 | 1 |
Disjunktion (ODER-Verknüpfung)
| a | b | a ∨ b |
|---|---|---|
| 0 | 0 | 0 |
| 0 | 1 | 1 |
| 1 | 0 | 1 |
| 1 | 1 | 1 |
Negation
| a | ¬a |
|---|---|
| 0 | 1 |
| 1 | 0 |
Boolescher Ausdruck
Die Elemente aus
Seien
Page 16
Boolesche Algebra
Konventionen
Man schreibt auch
Für
Zur Vereinfachung der Notation bei Booleschen Ausdrücken vereinbaren wir:
- Negation
bindet stärker als Konjunktion , - Konjunktion
bindet stärker als Disjunktion .
Page 17
Boolesche Algebra
Axiome der Booleschen Algebra
Kommutativität:
Assoziativität:
Absorption:
Distributivität:
Komplement:
Page 18
Ausdrücke
Frage: Welche dieser Umformungen Boolescher Ausdrücke sind richtig? Das heißt, die Gleichung ist immer erfüllt für alle möglichen Werte von
a.
b.
c.
Page 19
Boolesche Algebra
Neben der vorgestellten gibt es weitere Boolesche Algebren, in denen diese Axiome gelten.
Die folgenden Regeln sind aus den Axiomen ableitbar:
Weitere Regeln für Boolesche Algebren
Doppeltes Komplement:
Idempotenz:
De-Morgan-Regel:
Consensus-Regel:
Resolution:
Page 20
Boolesche Funktion
Definition: Eine Boolesche Funktion
Die Menge aller Booleschen Funktionen in
Wir schreiben abkürzend
Ein digitaler Schaltkreis ohne Speicherelemente, mit
Page 21
Gerichteter Graph
Definition:
endliche, nichtleere Menge (Knoten) endliche Menge (Kanten)- Abbildungen
und ist Quelle, Ziel einer Kante
- Abbildungen
und ist der Eingangsgrad, der Ausgangsgrad von .
Page 22
Pfade in gerichteten Graphen
Ein Knoten mit
heißt Wurzel. heißt Blatt. heißt innerer Knoten.
Ein Pfad (der Länge
Ein Zyklus in
Die Graph-Tiefe eines azyklischen Graphen ist definiert als die Länge des längsten Pfades in
Page 23
Bäume, Binäre Bäume
Definition: Ein Baum ist ein gerichteter, azyklischer Graph mit genau einer Wurzel
Ein Baum heißt binär (bzw. Binärbaum), wenn für seine innere Knoten
Beispiele:
- Baum:
- Binärbaum:
Page 24
Groß-O-Notation (1/2)
Seien
Man schreibt
Beispiel:
Beweis: Setze
Groß-O-Notation wird verwendet, um Größe von parametrisierten Objekten (z.B. Graphen), Laufzeit von Algorithmen (Anzahl von Rechenschritten in Abhängigkeit von der Eingabe) usw. asymptotisch, d.h. bis auf eine multiplikative Konstante, abzuschätzen.
Die Notation
Page 25
Groß-O-Notation (2/2)
Page 26
O-Notation
Gegeben:
Page 27
O-Notation
Gegeben:
? ? ?
Page 28
O-Notation
Gegeben:
? → ? → ? → !
Page 29
Beweistechniken
- Sukzessive Folgerungen bzw. Direkter Beweis
- Indirekter Beweis bzw. Beweis durch Widerspruch
- Vollständige Induktion
Page 30
Sukzessive Folgerungen
Gegeben Aussage
Sukzessive Folgerungen:
Aus
Page 31
Beispiel: Sukzessive Folgerungen
Gegeben
Dann gilt
Beweis:
- Aus
folgt die Existenz von so dass für . - Aus
folgt die Existenz von so dass für . - Man wähle
. Dann gilt für sowohl als auch . - Man wähle
. Für gilt dann
Dies bedeutet aber gerade .
Page 32
Indirekter Beweis 1/2
Es soll Aussage
Indirekter Beweis: Man nimmt an,
Da der Widerspruch schrittweise aus
Page 33
Indirekter Beweis 2/2
Betrachte den Spezialfall
Dann ist
Ergibt sich aus der Annahme ein Widerspruch, dann muss aus der Gültigkeit von
Ergibt sich der Widerspruch speziell durch Herleitung von
Implizit setzt man immer die Gültigkeit sämtlicher Axiome voraus. Sei
Dann ist
Annahme ist dann also
Page 34
Beispiel: Indirekter Beweis
Zu zeigen:
Beweis:
Wir nehmen an, dass
Man wähle ein
Somit kann die Annahme nicht stimmen.
Page 35
Vollständige Induktion
Die vollständige Induktion ist eine Beweismethode für Aussagen (Behauptung), die für alle natürlichen Zahlen
Zuerst wird im Induktionsanfang die Aussage für den Basisfall
Dann wird der Induktionsschritt durchgeführt:
Unter der Annahme, dass die Aussage für
Daraus folgt die Aussage für alle natürlichen Zahlen.
Page 36
Vollständige Induktion: Beispiel (1/2)
Behauptung:
Induktionsanfang:
Zeige die Behauptung für
Page 37
Vollständige Induktion: Beispiel (2/2)
Induktionsvoraussetzung (IV):
Nehme an, die Behauptung gilt für ein
Also: Es gibt ein
Induktionsschritt:
Zeige die Behauptung für




































